Wer einen Honorarberater finden möchte, merkt schnell: Der Begriff allein schützt Sie nicht. Er ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder darf sich „Honorarberater" nennen – auch jemand, der weiterhin Provisionen kassiert. Nur wer nach § 34h GewO zugelassen ist, darf tatsächlich keine Provisionen annehmen. Das ist die einzige belastbare Abgrenzung.
Das klingt technisch. Aber es ist der Kern des Problems – und deshalb der Ausgangspunkt für alles Weitere.
Warum die Suche schwieriger ist, als sie aussieht
Vermögende Anleger sind es gewohnt, gute Entscheidungen zu treffen. Bei Unternehmen, Immobilien, Personal. Aber bei der Wahl eines Finanzberaters tappen viele in dieselbe Falle: Sie suchen nach Reputation, Auftreten, Empfehlung. Alles legitim. Aber keines davon beantwortet die entscheidende Frage:
Die Unterscheidung klingt banal. Sie ist es nicht. Ein Berater, der für den Verkauf eines Fonds eine Provision erhält, hat ein anderes Interesse als einer, der ausschließlich von Ihnen bezahlt wird. Das bedeutet nicht, dass provisionsbasierte Berater grundsätzlich schlechte Arbeit leisten. Es bedeutet, dass ein struktureller Interessenkonflikt existiert – ob er es zugibt oder nicht.
Was „unabhängig" wirklich bedeutet
Der Begriff taucht überall auf. In Bankprospekten, auf Beraterwebseiten, in Gesprächen. Aber unabhängig ist kein geschützter Begriff.
Echte Unabhängigkeit im rechtlichen Sinne bedeutet: Der Berater darf keine Zuwendungen Dritter annehmen. Also keine Ausgabeaufschläge, keine Bestandsprovisionen, keine Kickbacks von Fondsgesellschaften.
Das ist in Deutschland nur unter zwei Zulassungen möglich:
- § 34h GewO – Honorar-Finanzanlagenberater (für Anlageberatung zu Wertpapieren und Fonds)
- § 93 WpHG – unabhängiger Honorar-Anlageberater (für Institute, die direkt der BaFin unterstehen)
Alles andere ist keine echte Unabhängigkeit im Rechtssinne. Ein § 34f-Berater darf Provisionen annehmen – auch wenn er sich „Honorarberater" nennt.
Die fünf Fragen, die Sie jedem Berater stellen sollten
Bevor Sie einem Berater Ihr Vertrauen – und Ihr Vermögen – anvertrauen, sollten Sie fünf Dinge wissen:
Was ich in 35 Jahren gelernt habe
Ich berate seit 2011 ausschließlich auf Honorarbasis – vorher war ich auf der anderen Seite: Sparkasse, Commerzbank, UBS und Weberbank. Ich kenne beide Welten.
Was ich dabei gelernt habe: Der größte Fehler vermögender Anleger ist nicht die falsche Aktie. Es ist die falsche Struktur – ein Portfolio, das über Jahre durch Beratung mit Interessenkonflikt gewachsen ist. Teure aktive Fonds mit Bestandsprovisionen. Unnötige Versicherungsprodukte. Klumpenrisiken, die niemand angesprochen hat, weil der Abbau keine Provision bringt.
Das ist nicht Bosheit. Es ist System.
Honorarberatung ist kein Luxus. Sie ist die logische Antwort auf dieses System. Sie zahlen einmal – offen, vereinbart, dokumentiert – und erhalten dafür eine Empfehlung, die ausschließlich Ihren Interessen folgt.
Wo und wie Sie suchen
Das macht die Suche übersichtlicher, als man denkt – und zeigt, wie klein und spezialisiert diese Gruppe tatsächlich ist. Wer gezielt einen Honorarberater finden möchte, hat klare Anlaufstellen:
- IHK-Vermittlerverzeichnis – das offizielle Register aller zugelassenen § 34h-Berater, suchbar nach Name und PLZ
- Liste von Prof. Hartmut Walz – gepflegte Übersicht mit Informationen zu Spezialisierungen und weiteren Zulassungen
- BaFin-Register – für Institute nach § 93 WpHG
- Google-Suche – „Honorarberater + Ihre Stadt" führt oft direkt zu lokal tätigen Beratern
Tipp: Viele Honorarberater bieten heute bundesweite Videoberatung an. Die regionale Einschränkung, die früher oft galt, ist weitgehend weggefallen.
Was Sie von einem ersten Gespräch erwarten dürfen
Ein seriöser Honorarberater fragt vor allem. Er will Ihre Situation verstehen – Vermögenssituation, Ziele, Zeithorizont, bisherige Erfahrungen, psychologische Haltung gegenüber Schwankungen. Er macht kein Angebot beim ersten Gespräch. Er präsentiert keine Produkte.
Er erklärt, wie er arbeitet. Was er kostet. Und was er nicht macht.
Wenn nach 30 Minuten ein konkretes Produkt auf dem Tisch liegt – gehen Sie.
Ein letzter Gedanke
Die Entscheidung für einen Berater ist eine der wenigen finanziellen Entscheidungen, bei der Sie den direktesten Einfluss haben. Nicht auf die Märkte, nicht auf Zinsen oder Kurse. Aber auf die Frage: Wem vertraue ich mein Vermögen an – und in wessen Interesse handelt diese Person?
Diese Frage hat eine klare Antwort. Sie sollten sie kennen, bevor Sie unterschreiben.
Kostenloses Erstgespräch anfragen →
→ Mehr über Jürgen Grüneklee

